Abschlussbericht einer Reise quer durch Nordamerika

Fazit: Wir verbrachten eine super Zeit, haben die Entscheidung auf Reise zu gehen nie bereut und würden es jederzeit wieder machen.

Land Rover Defender

Wir haben es nicht eine Sekunde bereut, dass wir erstens unser Auto von zuhause verschiffen liessen und dass es zweitens einen Land Rover Defender ist. Defenders sind in Nordamerika sehr selten und wenn dann sind es Modelle die älter als der Jahrgang 1997 sind.

Bagheera ersetzte für uns sozusagen einen Hund: Immer und überall wo wir standen, kamen wir wegen Bagheera mit den Leuten ins Gespräch. Oft trafen wir auf Leute mit gemeinsamen Interessen wie Offroaden, Campen, Fischen etc. Die Reise wäre für uns wahrscheinlich nur halb so spannend gewesen, wenn wir ein Wohnmobil in den USA gemietet hätten.

Innenausbau

Der Innenausbau hat sich total bewährt und wir haben keine einzige Anpassung während der Reise vorgenommen. Was sich am meisten bewährt hat, war die Möglichkeit auch im Auto-Innenraum schlafen zu können und dass wir es auch gut einige Stunden im Innenraum gemütlich machen konnten. Für eine längere Reise würden wir evtl. einen Wassertank einbauen und eine Aussen-Duschkonstruktion bauen. Ebenfalls wäre ein kleines Lavabo ab und zu von Vorteil gewesen. Auch über ein portables WC würden wir nochmals nachdenken.

Ausrüstung

Es ist immer das Gleiche: wir hatten viel zu viel dabei!!

Die ersten Wochen waren wir damit beschäftigt einiges an Ausrüstung auszusortieren und wegzuschmeissen. Einige Sachen haben wir auch durch neugekauftes Material ersetzt und einiges wieder per Post nach Hause geschickt. Auf die nächste Reise gehen wir bestimmt mit etwas weniger Material.

Reisesicherheit

Nordamerika ist grundsätzlich sehr sicher zum Reisen. Die Kriminalität befindet sich vor allem in den Städten und weniger ausserhalb. Natürlich sollte man sich trotz allem an einige Regeln halten: GPS nicht an Frontscheibe lassen, keine Fotokamera oder sonstige teure Gegenstände in der Fahrerkabine sichtbar aufbewahren etc. Pech kann man immer haben, aber man kann das Risiko einigermassen gut minimieren.

USA das Land

Die USA ist unglaublich gross, weitläufig und landschaftlich einmalig. Wir sind 7 Monate durchs Land gereist und haben praktisch jede Nacht an einem anderen Ort verbracht. Man bräuchte Jahre um das ganze Land wirklich zu entdecken. Es bietet einem alles was man sich vorstellen kann: Wildnis, Wälder, Grossstädte, Strände, Wüste etc. Jeder würde wohl etwas finden, dass einem gefällt. Auch wenn es teils Orte hat, die ein wenig mehr besiedelt sind als andere, ist dies immer noch nichts im Vergleich zur Schweiz.

USA und ihre Leute

Die Amerikaner sind ein super nettes und hilfsbereites Volk. Ihr Umgangston ist freundlich und meist stellen sie sich immer gleich mit dem Namen vor. Sie verabschieden sich oft mit dem Spruch „Nice meeting you“,auch wenn man teils nicht wesentlich übers Händeschütteln hinausgekommen ist. Ebenso auffallend ist ihre Neugier, die sie meist charmant mit einem Smalltalk beginnen oder mit einem Kompliment. Wir haben in den letzten 5 Jahren in der Schweiz weniger Komplimente als in unseren 7 Monate USA erhalten: Im Supermarkt lobt die Kassiererin mein schönes T-Shirt, auf dem Parkplatz wird einem zum Land Rover gratuliert oder beim Zähneputzen auf dem Camping kriegt man den Spruch “I love your boots“. Viele Leute verurteilen den Amerikaner für ihre oberflächliche Art: uns ist es lieber sie sind freundlich und meinen es vielleicht nicht ganz so, als wenn man schon von Anfang an unfreundlich empfangen wird. Wir haben viele Amerikaner getroffen, die sehr weltoffen, sportlich & gebildet waren. Direkte Gastfreundschaft durften wir paar Mal erleben, wie z.B. beim Rodeo, Sprint Boat Race, Oregon bei der Watson Family, in North Carolina bei Justin & Heather etc.. Des öfteren wurden uns auch Visitenkarten mit Handynummern übergeben: „Falls irgendwas sei und wir Hilfe benötigen, sollen wir jederzeit anrufen“. Und ich glaub wir hätten jeweils wirklich anrufen können und hätten sofort Hilfe erhalten.

Kanada das Land

Es ist riesig und sehr wild und oft nicht auf normalem Weg zugänglich. Es ist ebenfalls sehr abwechslungsreich, hat aber vor allem sehr grosse Wälder und viel Wildnis. Wir waren insgesamt nur 2 Monate im Land und haben daher nur ein Bruchteil gesehen.

Kanada und ihre Leute

Die Kanadier unterscheiden sich laut unserer Meinung nicht wirklich vom US-Amerikaner: Sie bauen Hochhäuser, fahren grosse Trucks und lieben Burger und Hot Dog etc. Einziger grosser Unterschied den wir feststellen konnten, war ihre etwas zurückhaltendere Art bei Begegnungen: In den USA konnten wir jeweils kaum in Ruhe unsere Einkäufe vom Supermarkt in Bagheera verstauen, ohne dass wir nicht angesprochen wurden. In Kanada wurden wir jedoch kaum aufs Auto oder unsere Reise angesprochen. Auch Kontakte auf den Campingplätze hatten wir weniger, wenn man sie dann aber kennenlernt, sind sie ein liebenswertes und hilfsbereites Volk. Quebec ist dann nochmals die Ausnahme in Kanada und da fühlt man sich teils wirklich wie in Frankreich.

National Parks

Auch wenn wir Europäer den Müll besser trennen und mehr für Klimaschutz tun – von der Wildnis haben wir nur noch eine undeutliche Vorstellung. Die National Parks in Nordamerika sind wirklich alle wunderschön, aber oftmals sind diese auch überlaufen. Den Leuten entkommen kann man meist sehr leicht: Einfach eine Wanderung unternehmen, viele Leute steigen nicht mal aus ihrem Auto aus.

Am besten gefallen

Wenn wir einen US-Staat von allen auswählen müssten würden wir Oregon nehmen. Aber auch North Carolina, Montana Wyoming sowie teils Utah haben es uns angetan.

In Kanada war unsere Fahrt durch Labrador einmalig, aber Nova Scotia war immer ein wenig unser Favorit. Für die Berglandschaft war Alberta unglaublich schön. Ganz allgemein gefiel uns die USA besser als Kanada.

Budget

Wir konnten unser aufgestelltes Budget halten, ohne auf gewissen Luxus zu verzichten. Wir haben einige Reisende kennengelernt, die mit noch viel weniger sehr gut gereist sind. Mehr zum Thema findet man hier.

Camperleben

Wie lieben das Campingleben. Die ganze Zeit sich draussen in der freien Natur zu bewegen empfinden wir als wahrer Luxus. Klar war es ab und zu sehr kalt, nass oder auch heiss, aber das gehört alles dazu. Von der Vorstellung sich jeden Tag unter eine warme Dusche zu stellen und immer ein sauberes WC vorzufinden muss man sich jedoch schnell verabschieden. Aber es gab wirklich keinen einzigen Tag, wo uns das Campen nicht Spass gemacht hat. 

Campingplätze

Wir sind keine Fans vom Wildcampen, ausser man ist wirklich in der Pampe draussen, wo es sowieso niemand interessiert, ob man da frei steht oder man befindet sich im National Forest oder BLM Area. Wenn wir wild gestanden sind, dann wegen dem schönen Platz und nicht um Geld zu sparen. Wir sind auch nur sehr primitiv ausgerüstet und verfügen über kein WC, Dusche oder Wassertank (ausser unser 15L Kanister). Grundsätzlich haben wir vor allem die günstigen Plätze und gratis Plätze angesteuert: National Forest, BLM und oft fanden wir auch mal einen schönen Platz in einem State Park. Für unsere Luxustage mit Dusche, WCs und um Wäsche zu waschen und ein anständiges WiFi zu benutzen haben wir uns jeweils auf einen KOA Camping eingecheckt.

Hotel Unterkunft

Ganz ehrlich, wir schlafen lieber in Bagheera als in einem Durchschnitts-Hotel. Ein 5 Sternhotel wäre natürlich ab und zu super gewesen, aber das lag sowieso nicht im Reisebudget. Auf der ganzen Reise haben wir nur 2 Nächte in einem Hotel verbracht (Ausgenommen die An- und Abreise für die Verschiffung). Mit dem Geld für eine durchschnittliche Hotelübernachtung konnten wir mindestens 1 Woche Camping bezahlen.

24 Stunden und 7 Tage die Woche Zusammen

Wir sind ein super Team und das hat die Reise zu etwas Besonderem gemacht. Auf der ganzen Reise waren wir nie mehr als 2 Stunden getrennt, aber wir liessen uns gegenseitig immer wieder mal eine Stunde Zeit für sich: fischen, lesen, computerlen, skaten, hängemättlen etc. Wir haben uns nie gegenseitig eingeengt gefühlt und hatten auch nie eine grosse Auseinandersetzung. Klar hat man ab und zu mal kleine Meinungsverschiedenheiten und ist mal für paar Minuten stinkig, aber das sollte normal sein und kommt auch Zuhause vor. Wir hatten viele gute-und stundenlange Diskussionen über alles Mögliche. Nach unserer Meinung ist das "24-Stunden-Zusammen-sein"-Rezept einfach: gegenseitiger Respekt und gute Kommunikation.

Essen & Trinken / Ernährung

Die Amerikaner und ihre Ernährung stehen bekanntlich schon seit Jahren auf dem Kriegsfuss. Fast Food Ketten gibt es an Massen und man muss die gesunden Lebensmittel manchmal regelrecht suchen gehen. Auch sehr auffallend ist, dass ungesundes Essen sehr günstig ist und sobald es gesünder oder frisch ist, die Preise rapide in die Höhe schiessen. Des Weiteren hat der Durchschnitts-Amerikaner ein Zucker und Koffein Problem. Bei den Tankstellen wird man regelrecht von dem Sortiment an Energy- und Sodadrink überwältig. Wenn man dann nichts Passendes findet, kann man immer noch aus ca. 5 verschiedenen Kaffees' aussuchen, allesamt gespickt mit Unmengen Zucker. In Amerika ist eine gesunde Ernährung mit einem grossen Portemonnaie und viel Disziplin gut umsetzbar.

Auswärts Essen: Geht man auswärts essen sind die Portionen riesig und alles geht nach dem Motto „Mehr ist Mehr“. Ein gutes Konzept sind jedoch die sogenannten Doggy Bags: was man nicht runterbringt, kann man in einer Box mit nach Hause nehmen. Bei den Getränken wird immer gratis nachgeschenkt. Nicht alles Essen ist Fast Food. Es gibt an vielen Orten sehr gute Traditionelle Küche, die mit Fast Food gar nichts mehr zu tun haben.

Auch wir haben uns natürlich durch all die ungesunden Sachen gegessen und getrunken, aber zu 90% haben schlussendlich doch selber auf dem Camping gekocht. 

Gesundheit

Ausser zum Start unserer Reise, wo wir beide noch eine Erkältung von der Schweiz mitgenommen haben, waren wir nie krank oder hatten sonstige Leiden. Beide konnten feststellen, dass wir grundsätzlich viel weniger Kopfschmerzen als Zuhause hatten. Die frische Luft und die dazugehörende Bewegung tut dem Körper sehr gut.

Autofahren

Das Autofahren in den USA ist kinderleicht und die Amerikaner führen insgesamt einen recht entspannten Fahrstil. Nicht wie Zuhause wo Autobahnfahrer, die auf der linken Spur dem Rest der Menschheit das eigene Tempo aufzwingen wollen. Die Amerikaner wollen ihr eigenes Ziel erreichen und nicht ihre Umwelt erziehen. 

Tanken

Früher war es ab und zu noch ein Problem Diesel in Nordamerika zu kriegen. Heute ist das nicht mehr so und praktisch jede Tankstelle verfügt über eine Dieselzapfsäule. Allgemein ist die Qualität des Diesels in Nordamerika aber anscheinend nicht sehr gut bzw. sehr dreckig. Wir haben von vielen gehört, dass sie mit der Dieselpumpe Probleme bekommen haben. Um dies von Anfang an zu verhindern, haben wir bei ca. jeder Zweiten Tankfüllung Zusatzmittel sogenannter Dieselcleaner dazu gemischt und hatten bis zum Schluss keine Probleme. Für die Bezahlung des Treibstoffes funktionieren grundsätzlich fast überall die Kreditkarten, teils muss man zuerst bei der Kasse den Betrag angeben und bezahlen, bevor man tanken kann. Die EC Karten funktionieren bei ca. 50% der Tankstellen. Der Diesel war bei uns im Schnitt ca. 3.90$ für 1 Gallone sprich ca. 1 CHF für den Liter. 

Kommunikation

In Nordamerika findet man immer und überall mal ein offenes WiFi, das mindestens von der Qualität reicht um sich schnell seine Emails runterzuladen. Um unsere Webpage upzudaten brauchten wir aber öfters was Stärkeres und haben uns dann entweder auf einem KOA Camping einquartiert oder sind in den McDonald gefahren. Mit unserer Familie hatten wir Kontakt via Internettelefonie Skype und mit unseren Freunden tauschten wir uns wenn immer möglich über das Smartphone App "Whats App" aus. Zusätzlich kommunizierten wir im Schnitt ca. jeden 2. Tag via unserem GPS Spot Connet unsere GPS Koordinaten auf der Webseite.

Visitor Centers

Grundsätzlich sind die meisten Visitor Centers bzw. die Leute die da arbeiten einfach nicht kompetent. Meistens haben sie wirklich keine Ahnung von der Gegend und es kam öfters vor, dass wir schon mit mehr Vorkenntnis in das Visitor Center reinkamen, als was die hinter der Theke uns mitteilen konnten. Somit blieb uns meist nur eins übrig: Highway-Karte verlangen, alle Broschüren zusammen sammeln und das Center wieder verlassen. Die National Forest Ranger Stations waren dafür der krasse Gegensatz: da erhielt man immer super Infos und Material und alle Mitarbeiter waren sehr kompetent und wussten über alles Mögliche Bescheid.

Reiseführer

Wir haben von zuhause 2 Lonely Planets: USA & Kanada mitgenommen. Da ist jede Gegend kurz beschrieben und man kann sich dann die Area ungefähr vorstellen. Die fehlenden Infos haben wir dann jeweils vor Ort in den Visitor Centers abgeholt.

Zum Abschluss noch ein Wort zum neuen Lifestyle GO GREEN, ORGANIC etc.

USA hat sich meiner Meinung nach in den letzten 10 Jahren sehr zum Positiven verändert was das Recycling betrifft. An der Westküste scheint die “I am Green“ Welle ein neuer Trend und Lifestyle zu sein und damit wird an allen Ecken jede Menge Geld verdient. Schaut man dann aber mal genauer hin, deckt man so manche Lügen auf. Nur ein kleines Beispiel von echt vielen: In einem sogenannten ECO-Gift Laden werden allerhand Geschenkartikel verkauft, die aus Recycling-Material bestehen wie z.B. Ein cooler Kulturbeutel aus gebrauchten Mountainbike-Schläuchen. Was dann aber ganz kleingedruckt auch noch steht: „Made in India“. Wie muss ich mir das nun vorstellen: Die Pneu’s werden wahrscheinlich in China hergestellt, in die USA geschickt, auf ein US-Mountainbike montiert, abgefahren und dann werden die Reststücke nach Indien geschickt um einen hübschen Kulturbeutel zu fertigen, der dann per Flugzeug wieder in die USA geschickt wird, um dann im ECO Laden naiven Möchte-Gern-Green-Leuten verkauft zu werden??.......naja aber das Konzept scheint zu funktionieren!

 

Organic Food (Bio) scheint auch immer mehr ein Thema zu sein und auch wir haben wenn möglich bio und lokal eingekauft. Sehr billiger Food wird oft auch von China importiert und man will da nicht wissen was alles drin ist. Aber der Amerikaner scheint uns ab und zu etwas durcheinander zu bringen: Organic ist nicht gleich gesunder Food per se, sondern es heisst nur, dass es gesund hergestellt wurde. 100 gr Organic Gummibären haben nach wie vor 27 Würfelzucker ob bio oder nicht - vielleicht sind sie ein wenig gesünder, da die Inhaltsstoffe natürlich sind, aber für die Figur wohl nach wie vor nicht das Richtige.